Du sitzt an einem Dienstagnachmittag am Schreibtisch, der Kalender ist halbwegs voll, dein Business läuft. Trotzdem bist du nicht so ganz zufrieden. Ehrlich gesagt, bist du nie so richtig zufrieden, denn da ist dieses Ziehen nach mehr: Nach mehr Weite, mehr Tiefe, mehr von etwas, das sich noch stärker nach dir anfühlt.

Wenn du dieses Ziehen kennst, dann lies weiter. Du bist wahrscheinlich eine Abenteurerin. Ich meine das im psychologischen Sinne, als Archetyp, der tief in dir verankert ist und der erklärt, warum bestimmte Business-Modelle, Kommunikationsstile und Bildwelten sich richtig anfühlen und andere sich anfühlen wie ein Pullover, der zwei Nummern zu klein ist.

Dass ich selbst eine Abenteurerin bin - Explorer oder Entdeckerin, die Übersetzung ist nicht entscheidend –, das war mir bewusst, bevor ich auch nur ein Wort über Archetypen kannte. Es ist mein Identitätsarchetyp. Er war schon als Kind in mir, unbewusst. Er machte sich später bemerkbar in der Art, wie ich Shooting-Locations suche. In meiner Weigerung, mich auf ein einziges Nischenthema festzunageln. Im Drang, den nächsten Weg auszuprobieren, bevor ich den aktuellen vollständig zu Ende gegangen bin. Es hat eine Weile gedauert, bis ich aufgehört habe, das als Fehler zu betrachten.

Dieser Artikel ist für dich, wenn du dir in ähnlichen Momenten ähnliche Gedanken machst. Und er soll dir zeigen, was du mit dieser Energie konkret anfangen kannst: im Marketing, in der Kommunikation, in deiner Bildsprache und in deinem Business-Modell.

Wer ist die Abenteurerin? Und was will sie wirklich?

Margaret Mark und Carol S. Pearson haben in ihrem Standardwerk „The Hero and the Outlaw" zwölf Archetypen beschrieben, die erklären, warum bestimmte Marken Menschen auf einer tiefen, oft unbewussten Ebene ansprechen. Die Abenteurerin gehört dabei zur Gruppe, die sie als „Yearning for Paradise" beschreiben: die Sehnsucht nach einem Zustand, der sich echter, freier und erfüllter anfühlt als der aktuelle.

Das Kernbegehren der Abenteurerin lautet: Freiheit, um herauszufinden, wer ich wirklich bin. Ihr Ziel ist ein authentischeres, erfüllteres Leben. Ihre größte Angst ist Gefangenschaft, Konformität und innere Leere. Und ihre Falle ist das ziellose Wandern ohne Ankunft.

Die Abenteurerin ist ständig im Aufbruch. Kaum ist sie irgendwo angekommen, steckt sie sich bewusst das nächste Ziel. Das macht sie weder verzweifelt noch orientierungslos, es gehört einfach zu ihrem Wesen, das Vertraute zu verlassen, weil sie weiß, dass Wachstum draußen beginnt. Deshalb ist sie es auch, die oft die unbequemen Fragen stellt, die andere sich gar nicht trauen zu fragen. Und sie zieht Menschen an, die selbst diesen Drang kennen und sich endlich trauen wollen, ihm zu folgen.

Bekannte Geschwister im Geiste sind Figuren wie: Huckleberry Finn, Elizabeth Gilbert in „Eat Pray Love" und die gesamte Erzählwelt von „Star Trek". Geschichten vom Aufbruch ins Unbekannte, von der Erkenntnis unterwegs und von der Rückkehr als jemand, der weiter ist als zuvor.

Der Unterschied, der zählt: Abenteurerin oder Rebellin?

Das ist eine Frage, die ich häufig höre, weil beide Archetypen eine gewisse Wildheit haben. Beide stehen für Freiheit. Beide lehnen Schubladen ab. Beide scheren sich wenig um Konventionen. Aber ihr Antrieb ist grundverschieden.

Die Rebellin kämpft gegen etwas an. Gegen Systeme, Konventionen, Ungerechtigkeit. Ihr Treibstoff ist Widerstand. Sie will zerstören, was kaputt ist, um Platz für Neues zu schaffen.

Die Abenteurerin bewegt sich auf etwas zu. Ihre Bewegung entsteht aus ihrem inneren Kompass, der ihr ständig sagt: Da geht noch was. Da ist noch mehr. Da hinten wartet etwas, das sich noch richtiger anfühlt. Diese unbändige Neugier ist ihr Antrieb – im Gegensatz zum Widerstand der Rebellin. Sie ist einfach schon weiter. Und genau das macht sie so anziehend.

Das ist der Unterschied zwischen Flucht und Aufbruch. Und er ist entscheidend für deine Positionierung, deine Sprache und die Menschen, die du anziehst.

Was dein Archetyp über dein Business sagt

Wenn die Abenteurerin dein Identitätsarchetyp ist, dann hat das sehr praktische Konsequenzen für das, was du anbietest, und wie du es anbietest.

Wenn du zum Beispiel Coachin wärst, dann wäre dein Coaching eine Entdeckungsreise, die du begleitest. Du bist die Reiseführerin, die Optionen bietet und auf versteckte Orte hinweist. Du verkaufst keine Optimierungsprogramme oder Ergebnisse im klassischen Sinne. Bei dir findet deine Kundin die Motivation, aufzubrechen und zu transformieren, weil sie sich bewegt und auch bewegen will oder muss und keinesfalls passiv konsumiert.

Wenn du z.B. als FotografIn ein Shooting machst, ist es keine Fotosession – es ist eine Entdeckungsreise in die eigene Wirkung. Die AbenteurerIn-Fotografin lässt Wind, Zufall und echte Momente mitspielen. Perfektion ist nie das Ziel. Es ist Lebendigkeit.

Deine KundInnen wollen begeistert und mitgerissen werden. Sie lieben die Herausforderung, wollen inspiriert werden und suchen keine Garantien, weil es sich dann nicht mehr nach „selbstgemacht" anfühlt. Menschen, die sich von deiner Energie anziehen lassen, sind aktive Teilnehmerinnen, keine passiven Konsumentinnen. Und wenn sie merken, dass deine Marke diesen Spirit wirklich verkörpert, dann bleiben sie.

Das Neue ist dein Terrain. Deine Marke darf sich verändern, wachsen, neue Formate ausprobieren, ohne dass das als Instabilität wahrgenommen wird. Im Gegenteil: Entwicklung ist ein Qualitätsmerkmal. Du darfst neugierig sein auf das, was als Nächstes kommt, und deine Community einladen, dabei zu sein.

Deine Sprache, dein Tonfall

Die Rebellin zum Beispiel ist im Tonfall provokativ, wo die AbenteurerIn einladend ist. Die AbenteurerIn kommuniziert äußerst wach, öffnet Türen und macht keine Kampfansagen.

Ihre Lieblingsworte sind: entdecken, aufbrechen, erkunden, herausfinden, unterwegs sein, weitergehen, etwas wagen, hinter die Kulissen schauen, den nächsten Schritt machen, sich selbst neu begegnen.

Ihre Geschichten sind Reiseberichte. Sie erzählt von dem Moment, in dem sie keine fertige Antwort hatte und trotzdem den ersten Schritt gemacht hat. Von Kundinnen, die mit einem diffusen Unbehagen kamen und mit einem klaren Bild von sich selbst gegangen sind. Von Entscheidungen, die von außen wie Risiken aussahen und sich von innen wie die einzig mögliche Antwort angefühlt haben.

Was das für deinen Content bedeutet: Du darfst Prozesse zeigen. Hinter die Kulissen. Den Weg und das Ergebnis. Die Abenteurerin verkauft über Echtheit und Bewegung und dein Newsletter darf sich wie eine Postkarte von unterwegs anfühlen: persönlich, konkret, mit einem Gedanken, der hängen bleibt. Dein Instagram darf ein Reisetagebuch sein.

Die Abenteurerin ist nie fertig, nie vollständig optimiert, nie am Ziel. Das ist ihr Versprechen. Sie hat eine klare Richtung, auch wenn der Weg dorthin Kurven hat und Umwege einschließt.

Bildsprache für Menschen, die immer in Bewegung sind

Ihre Bilder transportieren am besten ein Gefühl: Du sollst fühlen, dass hier gleich etwas passiert oder hier ist gerade etwas passiert und die Person im Bild ist noch ganz davon erfüllt. Wer planlos Weite in seine Bildwelt einbaut, nur um der Weite willen, hat das Prinzip zu klischeehaft interpretiert. Es geht um das Gefühl der Unmittelbarkeit, der Lebendigkeit.

Licht: Natürlich, warm, dramatisch, wo es passt. Das goldene Stundenlicht gehört der Abenteurerin fast von Natur aus. Aber auch diffuses Tageslicht an einem bewölkten Tag kann funktionieren, weil es Ehrlichkeit und Weite ausstrahlt. Was hier nicht passt: hartes Kunstlicht, das Disharmonie kommuniziert, und Kontrolle über jeden Gesichtszug.

Setting: "Draußen" ist deine erste Wahl, aber es muss kein Naturpanorama sein. Ein Bahnhof, eine alte Straße, ein Café auf Reisen, eine Türschwelle, die den Weg nach draußen weist. Was all diese Orte gemeinsam haben?: Sie haben Geschichte und sie haben eine Richtung. Die Bilder sollen zeigen, dass der Weg weitergeht.

Auf etwas achte ich als Fotografin bei AbenteurerInnen-Shootings besonders: Linien, die in die Ferne führen. Wege, Uferkanten, Felder, Straßen, Horizonte.

Pose und Ausdruck: Bewegung ist dein bester Freund. Lauf. Schau über die Schulter. Dreh dich um. Lass dich vom Wind erwischen. Die Abenteurerin darf suchend wirken, wach, neugierig, erfüllt. Ihr Blick sagt: Ich bin unterwegs und ich vertraue dem Weg.

Farben: Deine Palette ist geerdet und lebendig gleichzeitig. Warme Erdtöne bilden die Basis: Sand, Leinen, Camel, Rost, Terrakotta. Dazu kommt Senfgelb für Optimismus, Ozeanblau für Tiefe, Waldgrün für Verbindung mit dem Organischen.

Typografie: Hier darf die Handschrift auftauchen. Reisetagebuch-Energie! Eine Route, die jemand auf einer Karte eingezeichnet hat, eine Notiz am Rand. Lebendigkeit steht bei der AbenteurerIn immer vor Perfektion. Ich sag nur: Scrapbooking-Feeling.

Die Schattenseite: Wenn die Sehnsucht zur Flucht wird

Jeder Archetyp hat eine Schattenseite. Die Abenteurerin kennt ihre gut, auch wenn sie manchmal lieber wegschaut.

Mark und Pearson beschreiben die Falle des Explorers präzise: das ziellose Wandern, das Verlieren in Möglichkeiten, das Werden zu einer Außenseiterin, die überall zuhause ist und nirgends ganz angekommen.

Für dich als Unternehmerin sieht das so aus: Du startest ein neues Angebot, bevor das alte ausgereift ist. Du wechselst die Positionierung, weil ein neuer Ansatz aufregender klingt. Du brichst ein Launch-Projekt kurz vor der Ziellinie ab, weil der Prozess anstrengend wird und eine neue Idee schon klopft. Du verwechselst Bewegung mit Fortschritt.

Das ist nicht das Gleiche. Bewegung kann bedeuten, dass du dich im Kreis drehst. Fortschritt bedeutet, dass du irgendwo ankommst, auch wenn der Weg gewunden war.

Der Unterschied liegt in der Frage, die du dir stellst. Wenn du wieder einmal kurz davor bist, etwas zu verlassen oder neu anzufangen, dann frag dich: Dient das meiner Entwicklung? Bringe ich etwas zu Ende, das ich begonnen habe, oder laufe ich gerade einem unbequemen Abschluss davon?

Deine Freiheit braucht einen Kompass, keinen Käfig. Aber ohne Kompass wird sie zum Labyrinth.

Die Abenteurerin und ihre Vorbilder unter den Marken

REI, die amerikanische Outdoor-Kooperative, ist vielleicht die reinste AbenteurerInnen-Marke auf dem Markt. Ihr Opt-Outside-Moment, als sie am Black Friday ihre Läden schlossen und Mitarbeitende nach draußen schickten, war kein Marketing-Gag. Es war eine Handlung, die vollkommen kohärent mit dem war, wofür die Marke steht.

Starbucks zeigt eine interessante Seite des Archetyps, weil die Verbindung auf den ersten Blick weniger offensichtlich wirkt. Aber Starbucks verkauft seit jeher Individualität und Entdeckung: der Kaffee als Begleiter auf dem Weg, die dritte Heimat zwischen Büro und Zuhause, das Personalisieren als Statement. Überall auf der Welt und doch immer ein bisschen deiner Welt.

Patagonia zeigt, wie die Abenteurerin reifer wird. Hier kommt zur Freiheit die Verantwortung: die Erde schützen, auf der die Abenteuer stattfinden. Das gibt der Marke eine Tiefe, die über bloßen Lifestyle hinausgeht.

Was alle drei gemeinsam haben: Sie verkaufen Zugang zu einem Lebensgefühl. Zu Weite, Echtheit und der Überzeugung, dass das eigene Leben mehr kann, als es gerade tut. Das ist dein Versprechen als AbenteurerInnen-Marke Du bist die Begleiterin auf dem Weg.

Bist du bereit, loszugehen?

Wenn du diesen Artikel gelesen hast und dich die ganze Zeit ein bisschen innerlich genickt hast, dann weißt du es wahrscheinlich schon: Du bist eine Abenteurerin. Dieser Archetyp ist nichts, was du dir ausgesucht hast – er hat dich gefunden. Er war schon immer da. Du hast ihn nur noch nicht benannt.

Das Benennen ist der erste Schritt. Der zweite ist herauszufinden, wie deine ganz persönliche Abenteurerin-Energie aussieht. Welche Farben, welche Bilder, welche Worte, welche Formate passen zu dir und zu deiner unverwechselbaren Markenpersönlichkeit?

Dafür habe ich das Brand-Archetypen-Quiz entwickelt. Es zeigt dir, welcher Archetyp bei dir dominant ist, welche Nebenarchetypen mitlaufen und wie sie zusammen dein Markenbild formen.

>> Hier geht's direkt zum Brand-Archetypen-Quiz.

Ich freu mich darauf, dich auf deinem Weg zu begleiten.

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